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Glauben

Mai 2022

Glauben fordert vom Menschen, etwas als wahr anzunehmen, das er selbst im seinem Verstand-Vernunft-Bewusstseinsblock nicht, noch nicht oder niemals als wahr erleben, erkennen, zu Wissen verarbeiten, erfahren und zur Weisheit verarbeiten konnte und es auch nicht kann, wenn er weiterhin seinem Glauben verfallen bleibt. Glaubensinhalte sind in der Regel nämlich irreal und bleiben daher für den Menschen immer unbeweisbar und entbehren jeder vollständig nachvollziehbaren und verständlichen Logik resp. Folgerichtigkeit. Insbesondere der religiöse Glaube fordert vom Menschen blinden Gehorsam, bei gleichzeitiger Ausschaltung seines gesunden Menschenverstandes; er unterdrückt gewaltsam aufkommende Zweifel an der Richtigkeit des zu Glaubenden, wie aber auch alle Impulse des inneren und innersten Wesens des Menschen.

Zitat Nr. 1: "Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens." - Johann Wolfgang von Goethe

Wenn Eltern ihre Kinder nicht schon von klein an, sondern erst in späterem Alter gegen deren Willen zu einem Glauben zwingen und sie zum Beten an einen Gott anhalten, dann kann beobachtet und erkannt werden, dass sich in manchen Kindern zuerst alles gegen das Anbeten eines unsichtbaren und irrealen Phantasiegottes sträubt, weil sie in ihrem unschuldigen, natürlichen und noch reinen kindlichen Denken, Fühlen und Empfinden nicht verstehen und erfassen können, warum sie plötzlich einen strengen göttlichen Übervater anbeten und sich demütig vor ihm verneigen und unterwerfen sollen, was ihnen im tiefsten Innern völlig rechtens vollkommen fremd, dumm, erniedrigend und gar lächerlich vorkommt.

Glauben macht bewusstseinsmässig blind, weil er vom Menschen fordert, sein eigenes kritisches Denken auszuschalten oder erst gar nicht zu entwickeln. Glaube fordert, dass der Mensch seine Vernunft und seinen Verstand bewusst nicht gebraucht, sondern imaginären Glaubensdingen nachhängt, womit der Glaube die persönliche Selbstverantwortung und Evolution des Menschen unterbindet, sie gewaltsam unterdrückt und als “Sünde” verdammt sowie mit drohender göttlicher Strafe belegt. Fragen nach der Logik und dem Sinnzusammenhang werden dogmatisch tabuisiert; dem Menschen wird weisgemacht, dass der Glaubende nicht wissen müsse, sondern allein der demütige und die innere Freiheit verleugnende Glaube ihn erlösen könne.

Zitat Nr. 2: " heißt Nicht-wissen-wollen, was wahr ist." - Friedrich Nietzsche, ‹Der Antichrist›

Eine Glaubensideologie benutzt in der Regel die Drohungen in bezug auf physischer sowie “seelische” Strafe, der Rache, durch das “jüngste Gericht” eines imaginären Gottes, von Heiligen, Engeln, Gurus usw. Der Glaube dient als Druckmittel gegen den glaubenden Menschen, der von der Existenz der heiligen und göttlichen Gestalten überzeugt ist, um ihn an der Kandare zu halten, ihn einzuschüchtern und sein Ausbrechen aus dem bewusstseinsmässigen Gefängnis des Nichtdenkens und der unterdrückten Selbstverantwortung zu hindern.

Zitat Nr. 3: "Du nennst es Glauben, wir heissen's Angst." - Henrik Ibsen, Gedicht "Peer Gynt": Dovrealter

Zitat Nr. 4: "Höllenqualen sind den Gläubigen vorbehalten." - Gabriel Laub, ‹Das Recht, recht zu haben›

Der Glaube entmündigt und verdummt den Menschen, weil dieser immer auf irgendwelche Dinge warten und hoffen muss, die ihm ein Gott oder eine andere höhere Macht irgendwann bringen soll. So wird er seiner Initiative, Eigenverantwortung und Eigenständigkeit beraubt, überlässt das Steuer seines Lebens einem Gott oder seinen selbsternannten Stellvertretern, die ihn damit ohne Grenzen gewissenlos bewusstseinsmässig und materiell ausbeuten und ausnutzen können.

Zitat Nr. 5: "Der Glaube besteht aus Vertrauen in Gott und aus der Hingabe seiner selbst." - André Gide.

Damit die Glaubensfalle funktioniert, braucht es immer mindestens zwei Beteiligte: Einen gläubigen Menschen und einen imaginären Gott, einen Heiligen, einen Guru oder einfach einen anderen Mitmenschen, dem der Gläubige blind verfallen ist und diesem fraglos folgt und gehorcht. Der gläubige Mensch fragt sich dabei nicht, warum er einem anderen Menschen, einer Organisation, Kirche, Sekte oder eben einem Guru usw. einfach glaubt und folgt, folglich er auch nicht wahrnimmt, dass er als Gläubiger beherrscht und nur für die selbstsüchtigen Zwecke der Glaubensverbreiter benutzt und ausgenutzt wird. Wahrheitlich sind beide, sowohl der Gläubige als auch der Glaubensverbreiter resp. der Guru, der Sektenboss, die Kirche, die Organisationen und die Sekten usw. Gefangene ihrer eigenen Selbstsucht bzw. ihrer Angst und Unselbständigkeit, aus der sie sich früher oder später lösen müssen, um zu lernen, eigenverantwortlich und frei zu werden. Wie für die Gläubigen bedeutet es auch für die Gurus, Sekten, Organisationen, Kirchen und Religionen, dass sie sich von jeglichem Glauben befreien und sich der effektiven Realität zuwenden und einzig und allein diese anerkennen müssen. Nur wenn das geschieht, kann der Mensch endlich frei werden in sich selbst und ehrlich und ernsthaft daran arbeiten, in sich und ausserhalb Liebe, Frieden, Freiheit und Harmonie zu erschaffen. 

Seit alters her ist der Spruch gegeben: „Glaube kann Berge versetzen”, das jedoch nur, weil der Mensch in Wahrheit bewusst oder unbewusst die Kräfte seines Bewusstseins nutzt. Geschieht es unbewusst, dann erfolgt es aus einem irrealen Wahn heraus, ohne das Wissen, dass allein die eigene Kraft des eigenen Bewusstseins die Ursache ist, die die entstehende Wirkung hervorruft. Stattdessen wird diese Wirkung oft als ein “Wunder” einer höheren, z.B. einer göttlichen Macht zugeschrieben, die in Wahrheit niemals existiert.

Zitat Nr. 6: "Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen" - Galileo Galilei

Da der Mensch in seinem falschen Glauben also nicht die wirklichen Ursachen seiner Kräfte erkennt, die er nutzt, so bleiben die daraus entstehenden Wirkungen für ihn stets unerklärlich und nicht nachvollziehbar, womit sein Wissen stagniert und er immer auf eine Hilfe von aussen hoffen muss, solange er nicht erkennt, dass immer er selbst der Ursprung seiner bewusstseinsmässigen Kräfte ist.

Zitat Nr. 7: "Wer nichts weiß, muss alles glauben." - Marie von Ebner-Eschenbach

Zitat Nr. 8: "Wenn die Vernunft ein Geschenk des Himmels ist und wenn man vom Glauben das gleiche sagen kann, so hat uns der Himmel zwei unvereinbare, einander widersprechende Geschenke gemacht." - Denis Diderot

Zusätze zu den philosophischen Gedanken

Trotz aller Unvernunft beruht das Annehmen eines Glaubens letztendlich auf dem freien Willen des Menschen und darf ihm daher niemals mit direkter oder subtiler Gewalt oder durch “Überzeugung” genommen werden. Dies gebietet allein schon die Ehrfurcht vor dem anderen Menschen, der genauso behandelt werden will wie jeder andere, wozu auch das Respektieren seines Glaubens gehört, wie irreal und wahrheitswidrig dieser auch immer sein mag. Der beste Kampf gegen die Auswüchse des Glaubens ist der Kampf für die Verbreitung der schöpferischen-natürlichen Wahrheit.

Von bleibendem Wert ist nur, was sich der Mensch aus eigener Wahrnehmung zum Erkennen und Kennen sowie zum Wissen, zur Erfahrung, zum Erleben und zur Weisheit erarbeitet. Das wiederum setzt das Begehen von Fehlern und Irrtümern voraus, was letztlich auch auf den Glauben zutrifft, der als falsch erkannt, behoben und durch wahres Wissen und wahre Weisheit ersetzt werden muss.

Zitat Nr. 9: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“

Glauben ist Dunkelheit 

Glauben hemmt oder verhindert die Bewusstseinsevolution, die voraussetzt, dass sich der Mensch in allen Belangen frei entfalten und erkennen und lernen kann, sein Schicksal in allen Dingen stets alleinverantwortlich zu bestimmen. 

Glauben verhöhnt und verspottet die Schöpfung, weil er irrig und grössenwahnsinnig behauptet, das Universum sei von einem Menschen resp. einem Gott erschaffen worden, der doch selbst nur ein winziges Geschöpf der Schöpfung ist.

Wissen, Wahrheit, Liebe und Weisheit sind Licht

 


Vorschaubild: Bildquelle unbekannt
Zitate Nr. 1 - 8:  Zitatquelle
Artikel: Leseprobe aus dem Buch ‹Einsichten auf dem Weg zum effektiven Menschsein›) von Achim Wolf (Einige Rechte vorbehalten)